Troils

Kapi Tel 2

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Zweyter Abschnitt.

Dass wir bey unserer Ankunft in Island den 25sten Aug. bey Bessestedr, des berühmten Sturlesons ehemaligen Wohnplatz, Anker warfen, habe ich schon gesagt. Hier kam es uns vor, als ob wir gleichsam in einer neuen Welt waren. Statt der schönen Gegenden, die vorher unsere Augen belustiget hatten, sahen wir hier nichts anderes als schreckliche Reste verschiedener Verwüstungen. Stellen sie sich ein Land vor, wo man von dem einen Ende bis zum andern, nichts als kahle Berge, deren Spitzen mit ewigem Schnee bedeckt sind, und zwischen ihnen Felder erblickt, die von glasirten Klippen durchschnitten werden, deren Höhe und scharfe Ecken gleichsam miteinander wetteifern, einem den Anblick des wenigen Grases zu benehmen, das zwischen ihnen hervorwachsen kann. Eben diese unangenehme Felsen verdecken die hier und da zerstreut liegenden Häuser der Einwohner. Nirgend erblickt man auch nur einen einzigen Baum, welcher der Freundschaft und Unschuld Schutz geben könnte. Ich vermuthe hier, dass wenige Personen, eben eine sonderliche Lust bey sich empfinden mögen, Isländer zu werden, und ich selbst muss gestehen, dass man bey dem ersten Anblick eines solchen Landes leicht glauben mögte, dass dort kein Mensch wohnen könnte, wenn man dessen Ufer nicht allenthalben mit Böten bedeckt sähe.

Ob es also fast nirgend eine Land giebt, das von der Natur so wenig begünstiget ist, und wo sie sich überall in einer so schrecklichen Gestalt zeigt; so leben doch auf Island ungefähr 60000 Menschen, (*) die man nicht eigentlich unglücklich nennen kann, ob sie gleich das nicht kennen, was man an andern Orten Glück zu nennen pflegt. Ich brachte daselbst über sechs Wochen mit dem grössten Vergnügen zu, und beschäftigte mich damit, theils die Natur von einer ihrer ungewöhnlichsten Seiten kennen zu lernen, theils mir Nachrichten von den Einwohnern, ihrer Sprache, ihren Sitten u.s.w. zu verschaffen.

(*) Herr Consist. Rath Büsching sagt im 1sten Theil seiner neuen Erdbeschreibung, S. 377: dass die Anzahl der Einwohner sich Anno 1769 auf 46201 Menschen belaufen habe, und dass sie von Zeit zu Zeit abnehme.

Was das erste anbetrifft, so habe ich davon an einem andern Orte geredet; von dem übrigen will ich hier folgendes anführen:

Island wurde zuerst im XIten [i.e. IXten] Jahrhundert von einer Norwegischen Colonie, worunter auch ebenfalls viele Schweden waren, angebauet. Sie lebten in diesem Winkel lange in völliger Freyheit, endlich aber mussten sie sich den Norwegischen Königen unterwerfen, und kamen hernach mit Norwegen unter die Herrschaft der Dänischen Könige. Sie wurden vormals von einem Admiral regiert, der alle Jahr dahin kam, um alles gehörig anzuordnen und abzumachen; nun stehen sie seit einigen Jahren unter einem Stiftsamtmann, der im Lande wohnhaft ist. Diese Bedienung bekleidet jetzt Herr Lars Thodal, der vorher Dänischer Gevollmächtigter bey der Gränzkommission zwischen Schweden und Norwegen war, und sich verschiedene Winter in Stockholm aufgehalten hat.

Die Isländer haben ein sehr gutes und ehrliches Gemüth; allein sie sind nicht so stark als man vermuthen sollte, vielweniger sind sie schön; sie sind dabey so ernsthaft und mürrisch, dass ich mich sehr selten erinnere, gesehen zu haben, dass einer von ihnen gelacht hätte. Ihr meister Zeitvertreib bey müssigen Stunden ist, dass sie sich ihre alten Geschichten erzählen, daher man auch bis auf diesen Tag keinen Isländer antrifft, der die Geschichte seines Landes nicht wissen sollte. Bisweilen spielen sie doch auch Karten.

Ihre Häuser sind von Lava gebauet, mit Torf gedeckt, und so klein, dass man sich kaum darinn umwenden kann. Sie haben keinen Fussboden, und die Fenster sind selten von Glas, sondern sie gebrauchen statt dessen gewisse dünne Häutchen von Thieren. Schorsteine gebrauchen sie nicht, indem sie nicht anders Feuer machen, als wenn sie ihre Speisen kochen, da sie dann den Torf blos auf den Boden legen. Es wird also nicht wunderbar scheinen, wenn ich sage, dass wir hier keine andere Häuser als Kaufmannsbuden sahen, und auf unserer Reise nach dem Heckla mussten wir unser Nachtquartier in den Kirchen nehmen.

Ihre meiste Nahrung besteht aus getrockneten Fischen, saurer Butter, welche sie für etwas köstliches halten, Milch mit Wasser und Säuer vermischt und etwas Fleisch, denn Brod bekommen sie so wenig von der Dänischen Compagnie, dass gewiss kein Bauer über drey bis vier Monath des Jahrs Brod im Hause hat. Sie kochen sich auch Grütze von einer Art Moos (Lichen Islandicus) die recht gut schmeckt. Die meiste Arbeit der Mannspersonen besteht im fischen, womit sie sich sowohl im Winter als im Sommer beschäftigen. Die Weiber warten des Viehes, stricken Strümpfe u.d. Sie müssen auch die Fische ausnehmen und trocknen, welche die Männer nach Hause bringen, und welche den grössten Theil der Produkte des Landes ausmachen.

Ausserdem erhält noch die Compagnie, welche jährlich 15 bis 20 Schiffe hieher schicket, und die ein das Land sehr drückendes monopolisches Privilegium hat, etwas Fleisch, Eiderdunen und Falken, welche im Lande zu 15, 10 und 7 Reichsthaler verkauft werden. Geld ist hier ungemein selten, daher auch aller Handel nach Fischen und Ellen groben und ungeschornen Tuchs, Wadmal genannt, geschieht. Eine Elle von solchem Wadmal gilt zween Fische, und 48 Fische einen Speciesreichsthaler. Gold kannten sie besser wie wir abreiseten, als wie wir dahin kamen.

Sie haben genug sogenanntes Hornvieh, ob gleich mehrentheils ohne Hörner; sie haben auch Schaafe und recht gute Pferde; Schaafe und Pferde gehen den ganzen Winter über in der freyen Luft. Hunde und Katzen haben sie in Menge. Ungezähmte und wilde Thiere giebts keine andere als Katzen und Füchse; auch kommen alle Jahre mit dem Treibeis Bären von Grönland, die aber gleich getötet werden, theils wegen eines Preises von 10 Reichsthalern, den der König für jeden getöteten Bären bezahlt, theils damit solche ihrem Vieh keinen Schaden zufügen mögen. Der jetzige Statthalter hat auch Rennthiere hinkommen lassen, aber von dreyzehn starben zehn unterwegs, die übrigen drey leben mit ihren Kälbern.

Es ist besonders, dass man dort kein Holz zum Wachsen bringen kann, ja, dass man auf der ganzen Insel kaum einen Baum antrifft, da man doch sichere Spuren hat, dass in alten Zeiten Holz in Menge da gewesen ist. So wächst auch dort kein Getraide, obgleich in fünf bis sechs Gärten, welches die einzigen sind, die auf der ganzen Insel angetroffen werden, Kohl, Petersilie, Rüben, Erbsen u.d.m. wachsen.

Um nun noch etwas von der Isländischen Litteratur. Vor fünf bis sechshundert Jahren waren die Isländer wegen ihrer Poesie und historischen Kenntnisse berühmt. Ich könnte unter ihnen viel Dichter nennen, welche die Heldenthaten Nordischer Könige besungen haben, und dem berühmten Snorre Sturleson [Snorri Sturluson] haben wir das erste Licht in unserer Schwedischen Historie zu danken. Wir haben auch desfalls so vielen Werth auf alte Isländische Urkunden und Schriften gesetzt, dass sie alle aus dem Lande gezogen worden, und jetzt dort so selten sind, dass ich ungeachtet aller mir gegebenen Mühe, während der ganzen Zeit meines Aufenthalts daselbst, nicht mehr als vier bis fünf Isländische Handschriften zu sehen bekam. Mitten im Lande ist unsere alte Sprache fast noch ganz rein beibehalten worden, an den Küsten aber, wo die Einwohner mit Dänischen Kaufleuten Umgang gehabt haben, weicht solche etwas von derselben ab. Einige sprachen gut Dänisch, die aber kein Dänisch verstanden, konnten eher mit uns Schweden, als mit den Dänen auseinander kommen. Man findet auch dort drey bis vier Runen-Inschriften, aber sie sind alle neu und haben keinen Werth.

Ich habe schon vorher gesagt, dass die Isländer ein Vergnügen daran finden, ihre alten Sagen und Erzählungen anzuhören; und dies ist auch fast das einzige, was ihnen noch von dem Geist ihrer Vorväter übrig geblieben ist; denn jetzt haben sie nicht viele Poeten unter sich, und der grösste Theil ihrer Priester verstehen wenig, ausser etwas Latein, das sie in den Schulen erlernt haben, die in den bischöflichen Sitzen zu Skalholt [Skálholt] und Hoolom [Hólar] angelegt sind. Einige von ihnen haben doch auf der Akademie zu Koppenhagen studirt, und habe ich drey recht geschickte Gelehrte, und besonders in den Nordischen Alterthümern sehr bewanderte Männer, daselbst kennen gelernt, nemlich den Bischoff Finnur Jonson [Finnur Jónsson, 1704-89] zu Skallholt, welcher eine Isländische Kirchenhistorie unter Händen hat, den Probst Gunnar Paulson und den Rektor Halfdan Ejnarson zu Hoolum.

Dass sie dort eine Buchdruckerey haben, kann wohl nicht unbekannt sein. Wir kennen die zu Skallholt gedruckten seltenen Auflagen von Olof Tryggwassons [Olaf Tryggvasson], Landnama, Grönlands und Christendoms Sagen; allein das hätte ich nie vermuthet, die Buchdruckerey hier so alt zu finden, als ich hernach erfuhr. Ein gewisser Schwede, mit Namen Jon Mathieson, führte zwischen 1520 bis 1530 eine Bücherpresse hieher, und druckt schon im Jahr 1531 das Breviarium Nidarosiense. Ich habe so viele Isländische Bücher gesammelt, als ich nur auftreiben konnte; das seltenste darunter ist die Isländische Bibel, die 1584 zu Hoolum in Folio gedruckt ist, auch hoffe, es werden funfzehn bisher unbekannte Sagen nicht unwillkommen seyn.

Man kann hieraus sehen, wie angenehm die Beschäftigungen gewesen, womit ich hier meine Zeit zugebracht habe, und ich habe sie um so mehr mit Vergnügen vorgenommen, da es lauter unbekannte Gegenstände waren, womit wir zu thun hatten. Setze man nun noch hinzu, dass dies in Gesellschaft eines Banks und Solanders geschehen sey, davon der eine, einer der würdigsten Schüler unsers von Linnés, und ein munterer Kopf mit dem besten Herzen von der Welt ist, der andere aber ein Mann von dreyssig Jahren, im höchsten Grad neugierig, bey aller Gelegenheit entschlossen und unermüdet ist, der dabey einen freyen Umgang liebt, offenherzig und zugleich ein Freund der schönen Künste und des Witzes ist; so wird man es leicht einsehen, dass mich meine Reise nicht gereuen könne.

Ich hatte mir schon beynahe mit dem Vergnügen geschmeichelt, Herrn Banks und Doctor Solander im künftigen Jahr bey uns in Schweden zu sehen; allein nun werden sie auf einige Zeit in England festgehalten, und ich bedaure recht sehr, dass Doctor Solander auf immer für sein Vaterland verlohren ist, sowohl wegen des allgemeinen Vertrauens, das er hier besitzt, als weil er bei dem Musäum eine neue und bessere Stelle bekommen hat, als er bisher hatte. Ihre Reisen nach der Südsee werden im April oder May fertig, (*) und sie haben auch schon den Anfang gemacht, ihre auf der Reise gemachten Sammlungen in Kupfer stechen zu lassen, womit sie über sechs bis sieben Jahr genug zu thun haben werden, da solche nicht weniger als 2000 Kupferplatten ausmachen dürften.

(*) Die Seereisen hat D Hawkesworth bekanntermassen im Jahr 1773 in 3 B. in England mit vielen prächtigen Kupfern ans Licht gestellt, und es kam im folg. Jahr sowohl zu Paris ein franz. als zu Berlin eine deutsche Uebersetzung ans Licht, der die Haude und Spenersche Handlung an Schönheit nichts fehlen liess. Es ist auch hernach ein Auszug daraus, imgleichen eine weniger kostbare Ausgabe veranstaltet worden. Der Uebersetzer.

Ich müsste selbst Naturhistorie schreiben, wenn ich hier eine würdige Beschreibung ihrer Sammlungen machen wollte, so fürtrefflich sind solche. Sie besitzen über 3000 Fische und andere Thiere in Weingeist aufbewahrt, die grösstentheils unbekannt sind, und Herr Archiater und Ritter von Linné durfte unter ihren Kräutern, wovon sie mehr als ein Exemplar haben, und wovon ich sogar hoffe, dass eins nach Schweden kommen soll, noch viele Materie zu einer neuen Mantissa finden.


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