Troils

Kapi Tel 18

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Achtzehnter Abschnitt.

Von den springenden heissen Wasserquellen in Island.

Unter allen Merkwürdigkeiten in Island, welche die Natur einem merkwürdigen Zuschauer zur Bewunderung vor Augen legt, kann doch nichts mit den springenden heissen Wasserquellen verglichen werden, wovon das Land einen so grossen Ueberfluss hat. Man hält die heissen Quellen, welche zu Aken, Carlsbad, Bath, in der Schweitz, nebst verschiedenen die in Italien gefunden werden, für merkwürdig; aber nirgend als in letzterem Land ist meines Wissens die Wärme so stark, dass das Wasser kocht, und wenigstens wird nirgends in der ganzen bekannten Welt, das Wasser so hoch in die Luft geworfen, als solches bey den heissen springenden Wasserquellen in Island geschieht.

Mit diesen kommen alle die Springbrunnen in keine Vergleichung, welche man mit noch so grosser Kunst und unglaublichen Kosten angelegt hat. Die Wasserkunst zu Herrenhausen wirft nur einen Strahl, der ungefehr eine halbe viertel Elle dick ist, 70 Fuss in die Höhe; die auf dem Winterkasten zu Cassel wirft einen noch dünnern Strahl 130 Fuss hoch, und die bey St. Cloud, welche unter allen französischen Springbrunnen für den grössten gehalten wird, einen nicht dickern Strahl 80 Fuss in die Luft. Dahingegen werfen einige Quellen in Island eine Wassersäule, die einige Fuss dick ist, viele Klafter, ja ene sogar, wie viele berichten, einige hundert Fuss in die Höhe.

Doch ohne auf das zu bauen, was andere von diesem Wunder der Natur erzählen, rechne ich es für ein Glück für mich, die vornehmsten unter diesen Quellen mit eignen Augen betrachtet zu haben, und mich dadurch in den Stand gesetzt zu sehen, eine ausführliche Nachricht davon zu ertheilen. Nur bitte ich mir die Erlaubniss aus, vorher etwas von ihnen überhaupt zu sagen.

Diese Quellen sind von einer ungleichen Heftigkeit und Hitze. Bey einigen rinnt das Wasser sachte hervor, so wie aus einer andern Quelle, und dann bekommt sie den Namen Laug, ein Bad, bey andern aber wird es kochend und mit einem grossen Geräusch hervorgeworfen, und da nennt man sie Hver oder Kittel (Kessel). Die Wärme ist ungleich, doch weiss ich nicht, dass sie je unter 188 auf dem Farenheitschen Thermometer beobachtet worden. Wir fanden sie zu Laugarnas 188, 191 und 193, bey Geyser, Reykum und Laugarvatn 212, und an letzterer Stelle in der Erde bey einer kleinen heissen Wasserader 213 Grad.

Es ist etwas ganz gewöhnliches, dass springende Quellen zufallen, und andere an ihrer Stelle hervorkommen; man findet auch an vielen Orten Spuren von ehemaligen Hveren, wo man jetzt keinen Tropfen Wasser sieht. Diess ist bey Menschendenken verschiedentlich geschehen, und Eggert Olafsen berichtet, dass 1753 zu Reikakiv, ungefähr 50 Faden von einer alten Quelle, die durch einen Erdfall verstopft worden, ein neuer hver, sieben Faden breit und drey tief, ausgebrochen sey. Oefteres dabey gehörtes unterirdisches Knallen, und häufige Erderschütterung setzten die Leute, welche daherum wohnten, bey der Gelegenheit in das grösste Schrecken.

Alle diese heissen Wasser haben eine icrustirende Kraft, daher man auch allezeit die äussere Fläche der Stelle, wo es fliesst oder hervorsprützt, mit einer Rinde bekleidet findet, die fast wie getriebene Arbeit aussieht, und die wir beym ersten Ansehen für Kalk hielten, wir wurden aber, da solche mit Säure nicht aufbrauste, desfalls ganz ungewiss, doch hoffen wir, dass die Naturforscher uns bald aus der Ungewissheit reissen werden. Diese Rinde ist überhaupt sehr schön, aber am reinsten und klärsten ist sie doch bey den springenden Quellen, denn bey den andern, wo das Wasser blos herausfliesst, werden die Theilchen, welche das Wasser ansetzt, bisweilen mit Erde vermischt, und dadurch wird solche dunkler.

Bey den Hveren ist es sehr schwer, ja fast unmöglich, innerhalb der Oefnung die Beschaffenheit des Ganges zu untersuchen, der sich das Wasser gemacht hat, denn sowohl die Hitze des Wassers als die Heftigkeit, womit es hervorgestossen wird, hindert solches. Man kann aber doch mit voller Gewissheit vom Kleinen aufs Grössere schliessen, und es war uns desfalls sehr angenehm, dass wir bey Laugarnäs Gelegenheit hatten, die Wasserader selbst, eine Strecke kang unter der Rinde zu sehen.

Das Wasser hatte sich hier einen Weg durch einen hellgrauen Thon gemacht, dessen Oberfläche mit einer weissen Rinde bedeckt war, die dicht an dem Thon ganz eben, nach oben zu aber ganz kraus war. Unter dieser Rinde lief die Ader eine Strecke lang, durch einen von einer ähnlichen Materie formirten Kanal, und dieser ganze Kanal war mit Crystallen angefüllt, die artig ins Auge fielen. Ich hatte keine Zeit, so wenig ihre Figur, als ihre natürliche Beschaffenheit, da sie so sehr klein waren, zur Stelle zu untersuchen; ich erwarte aber von andern Naturforschern darüber eine nähere Erklärung, da sie verschiedene Proben davon in meiner Sammlung finden werden. Weit konnten wir hier doch der Wasserader nicht folgen, sondern mussten solche den Gängen überlassen, wodurch die Natur das Wasser aus seinen Behältnissen führt, und wo solches von der Wärme erhitzt, und von den Ausdünstungen gedruckt, gezwungen wird, sich an andern Orten durch heftiges Hervorspringen einen Ausgang zu suchen, und für seine eigene Dünste einen Weg zu machen.

Das Wasser selbst schmeckt an einigen Orten nach Schwefel, an andern nicht, sondern wenn man es so bald es abgekühlt ist trinkt, als gewöhnliches aufgekochtes Wasser. Bey einigen Hveren bedienen die Einwohner sich dessen zur Färberey, und man könnte davon gewiss noch weit mehr Nutzen ziehen, wenn es nicht der Mangel an Anstalten hinderte. Man kocht auch Speisen darinn, und zwar am besten in einem zugemachten Topf, worinn solche sehr gut und stark gekocht werden. Die Milch, die man darüber kocht, wird spss, vermuthlich durch die starke Hitze, denn eben das pflegt zu geschehen, wenn man sie lange über dem Feuer kocht. Neulich hat man dort angefangen darüber aus dem Meerwasser Salz zu kochen, welches, wenn es rafinirt wird, fein und gut ist. Die Kühe, die daraus trinken, geben viel Milch und haben gute Art. Eggert Olafsen berichtet, dass das Wasser, wenn man Alkali hinein wirft, nicht trübe wird, und vom Violensirup die Farbe nicht verändert. Es ist mir leid, dass ich nicht untersucht habe, in wie weit Horrebow's (*) Bericht gegründet ist, oder nicht, dass wenn man eine Flasche aus einer solchen springenden Quelle füllt, das darinn aufgefasste Wasser zu eben der Zeit, wenn die Quelle das Wasser auswirft, zwey bis dreymal in der Flasche überkocht, und dass die Flasche zerspringt, wenn man sie zu geschwinde zupfropft.

(*) Horrebows zuverlässige Nachrichten von Island. S. 56.

Ob es wohl freylich nicht zu läugnen ist, dass diese Quellen mit den Isländischen Vulkanen in einiger Verbindung stehen; so liegen sie doch nicht allezeit, ja selten nahe bey den feuerspeyenden Bergen, sondern sind hier und da im ganzen Lande anzutreffen. Man findet daher heisse Quellen nicht allein an sehr vielen Orten zwischen den Bergen, sondern sogar oben auf der Spitze der Eisberge, als auf Torfa Jöckul, wo man eine grosse Menge warme Quellen antrift, und darunter zwo grosse Hveren, die das siedende Wasser hoch in die Luft werfen. So findet man bey Haadegis Hnuk auf Gutlands Jöckul am Fusse des Berges eine lauwarme Quelle, und viele Spuren von alten Hveren. Eben so erblickt man im Meer springende heisse Quellen, wozu man nur bey niedrigen Wasser kommen kann; als bey Reyka-Fiord in Isa-Fiorden, wo man aus dem aufsteigenden Dampf vier Quellen im Wasser, und auf der Wasserfläche einen Hver bemerken kann. Ferner sieht man zwey dergleichen in den Oddbiarnar-Scheeren, noch mehrere bey Drapskär, und eine Menge bey Sandö, Urdholm, Reykey und auf den Flat-Inseln. Um die Lage dieser Quellen desto besser kennen zu lernen, will ich hier folgendes Verzeichnuss derselben geben, das so viel möglich, topographisch eingerichtet seyn soll.

In Borgarfjords Syssel treffen wir zuerst bey Leyraa, unweit des Fusses des Skardsheides Gebirges (*), einen Hver an, der aber doch nicht sehr stark ist, und nicht weit davon ein kleines Bad.

(*) Egg. Olafs. I. 58.

Eben so finden wir bey Lunda-Reykia dal einen Hver, und ein Bad, und bey einem Bauerhofe, Varma-läkiar-Mula, eine warme Quelle und ein Bad. Etwas weiter nach Norden, kommt man nach Reykholts Thal, welches zwey und eine halbe Meile breit ist, und wo man fast überall im Grunde heisse Springbrunnen antrift. Man kann dieses Stelle auf einige Meilen weit sehen, denn der häufige Dampf, der dort allenthalben von diesen heissen Wassern ausdünstet, vereinigt sich in der Luft, und sieht fast aus wie ein gewaltiger Rauch, der von einem Orte aufsteiget, wo eine grosse Feuersbrunst ist. Die drey vornehmsten hier befindlichen Hveren sind Tunguhver, Aa hver und Scribla, welcher Snorralaug, Snorre Sturlesons Bad, das für das schönste in ganz Island gehalten wird, mit Wasser versieht. Hernach trift man in einer lange Strecke nordwärts keine warme Quelle eher an, als auf Sneefields Vorgebürge, bey einem Bauerhofe Lysehoi und Stadesveit, wo man eine mit lauwarmen Wasser und viele Ueberbleibsel alter Hveren sieht. Noch weiter gegen Norden aber, in Dale Syssel, ist ein warmes Bad mit einigen Quellen; in Sölings-Thal, und weiter hin bey dem Hofe Reyka holer auf Reykianäs, sind viele starke Hveren, worunter drey sehr gross, Krablanda aber die grösste ist. Von hier kommen wir nach den heissen Quellen bey Flatöarna, Oddsbiarmarskär und Drappskär, und so weiter nach denen bey Talkne-fiord, Arnar-fiord und bey Isafiord in Reyka-fiord, wo eine starke springende Quelle ist. Wenn wir Cap Nord oder die nördliche Spitze von Island vorbey sind, finden wir wiederum einige warme Quellen bey Reykar fiord; bei Biarnar firodr auf Kaldadarnäs warme Quellen und ein schönes Bad, bey Hruta fiorden einen grossen Hver, Reike hver und in Midfiorden einen nicht kleinern, Keixalaug. Von hier gegen Süden ins Land herein, trift man bey Hverevalle eine grosse Menge siedende Quellen an, wovon drey mit einem schrecklichen Geräusch das Wasser hoch in die Luft werfen, und noch etwas weiter gegen Süden springt ein Hver bey Geitlands Jöckul.

Begeben wir uns von hier nach Norden zurück, so finden wir heisse Quellen bei Blanda, unten vor dem Hafen an Skaga-Strand, und etwas davon ab in Sakagafiorden noch mehrere, wovon eine von einer dreyssig Fuss hohen Klippen herabkommt. Weiter gegen Osten hat man in Vadle Syssel viele warme Quellen, als zu Olafs fiordr, Laugaland, Kristnäs und Hrafnegil; aber in Thingö Syssel trift man von beyden Arten mehrere und grössere an, und verdienen besonders die Hvere im Reykia-Thal angeführt zu werden, worunter Oxe und Badstofu die grössten sind.

Auf der östlichen Seite des Landes giebt es keine starke Hveren, aber wohl warme Quellen in Selar, Laugarvalle Rafnkells und Fliots Thälern, und einen nach Süden auf dem Torfa Jökul, der durch das Eis hervorsprützt. Von da nach Skallholt, wo es viele Quellen giebt, und eine Meile davon Reikholts und Grasa Hveren, die sehr hoch springen. Von hier kommt man nach Geyser, den ich bald nachher besonders beschreiben werde. Nicht weit davon liegt Laugar vatn, ein kleiner Landsee, um welchen man eine Menge warme und acht siedende Quellen wahrnimmt. Von hier geht der Weg nach den Hveren bey Oelves, welche für die grössten in Island gehalten werden, und worunter sich besonders Geyser und Badstofu hver auszeichnen.

Hier hat man auch einen trocknen Hver, wo vorher Wasser hervorgekommen ist, jetzt aber wird durch die Oeffnung ein Dampf getrieben, und steigt daraus eine so grosse Hitze hervor, dass ein darüber gesetzter Topf in der Geschwindigkeit ins Kochen kommt. Von da kommt man zu den springenden Quellen bey Krusevik in Gullbringe Syssel, weiter zu dem Hver Eine, imgleichen zu den Reikianäs Hveren, und zuletzt nach Laugarnäs in Kiosar Syssel.

Aus diesem Verzeichniss, worinn doch nicht alle aufgeführt sind, kann man von der Menge der warmen Quellen in Island urtheilen. Bey den meisten sind warme Bäder, und dürfte eine jede derselben eine genauere Untersuchung und Beschreibung verdienen. Eggert Olafsen und Biarne Paulsen, haben auch von einigen derselben viel merkwürdiges gesagt. Ich will blos einige beym Geyser, welche unter allen springenden Quellen, die ich gesehen habe, und die in Island oder vielmehr in der ganzen Welt befindlich sind, die grösste ist, angestellte Beobachtungen anführen, die während des Aufenthalts eines ganzen Tages den 21sten September 1772 von 6 Uhr des Morgens, bis 7 Uhr Abends angestellt sind.

Unter den springenden Quellen in Island, wovon verschiedene mit dem Namen Geyser belegt werden, kommt doch keine mit derjenigen, die ich jetzt beschreiben will, in Vergleichung, obgleich solche auch bey der besten Beschreibung noch immer viel verliehrt. Sie liegt ungefähr zwo Tagereisen vom Heckla, nicht weit von Skallholt, bey einem Bauerhofe Haukadal. Hier würde ein Dichter Gelegenheit haben ein Gemählde von allem, was die Natur schönes und schreckliches zugleich hat, zu entwerfen, und eins ihrer ungewöhnlichen Phönomene zu mahlen, und hier würde es der Feder eines Thomsons schwer fallen, durch Abschilderung alles dessen, was das Auge sieht, den Leser zu bezaubern. Man stelle sich ein Feld vor, wo man von der einen Seite in einer weiten Entfernung hohe mit Eis bedeckte Berge erblickt, deren Gipfel mehrentheils in Wolken eingewickelt sind, die dem Auge den Anblick ihrer scharfen und ungleichen Spitzen entziehen. Dieser Verlust wird dem Zuschauer bey gewissem Winde dadurch wieder ersetzt, dass sich die Wolken alsdann senken und den Berg selbst bedecken, da man dann ihre Gipfel gleichsam auf den Wolken ruhend erblickt. Von einer andern Seite dagegen sieht man den Heckla, dessen drey mit Eis bedeckte Spitzen über die Wolken hervorragen, und die durch den Rauch, der aus ihnen hervorsteigt, in einer gewissen Weite von den andern Wolken neue Wolken bilden. Noch nach einer andern Seite steht ganz nahe ein hohes Felsengebirge, an dessen Fuss von Zeit zu Zeit ein siedendes Wasser hervorbraust, und wo sich weiter herunter ein Sumpf von etwa einer halben Meile im Umkreis mit vierzig bis funfzig siedenden Quellen zeigt, von welchen ein starker Dampf aufsteigt, und sich hoch in der Luft mit den Wolken vermischt.

Mitten unter diesen liegt die grösste Quelle, Geyser, die eine genauere Beschreibung verdient. Wir bemerkten, als wir nach diesem Ort hinreiseten, ungefähr eine Viertelmeile von dem Hver, zwischen welchen und uns noch das nahe angränzende Felsengebürge war, ein starkes Sausen und ein Geräusch, wie das Rauschen eines starken Stroms, der sich von steilen Klippen herabstürzt. Als wir unsere Wegweiser fragten, was das wäre, antworteten sie, das Geyser rauschte, und bald darauf sahen wir das mit unsern eigenen Augen, was uns vorher beynahe unglaublich schien.

Wie tief die Oeffung ist, woraus das Wasser hervorsprützt, kann ich nicht sagen; aber bisweilen sank es einige Faden tief in der Röhre nieder, woraus es hervorgestossen ward, und es giengen einige Secunden damit hin, ehe ein in die Röhre geworfener Stein die Oberfläche des Wassers berührte. Die Röhre selbst war zirkelrund, hatte 19 Fuss im Durchmesser, und endigte sich oben in ein Becken, das 59 Fuss im Durchmesser hatte. Sowohl die Röhre als das Becken war von einer krausen stalactitischen Rinde formirt, die durch das Absetzen des Wassers gebildet war. Der äussere Rand des Beckens war 9 Fuss und 1 Zoll höher, als die Röhre selbst.

Hier sprang das Wasser zu wiederholtenmalen des Tages, aber immer nru stossweise nach gewissen Zwischenzeiten hervor. Diejenigen, welche da herumwohnten, erzählten, dass es bey kalten und üblen Wetter höher in die Luft sprünge als sonst, und Eggert Olafsen behauptet mit mehrern, dass es bis zu 60 Faden in die Höhe geworfen werde. Vermuthlich haben sie dabey blos das Augenmaas zu Hülfe genommen, und desfalls wohl etwas zu hoch gerechnet. Ich zweilfe auch, ob das Wasser je so hoch in die Höhe geworfen sey, ob ich gleich nicht läugnen will, ja vielmehr selbst glaube, dass es bisweilen höher springe, als wir damals bemerkt haben.

Ich will hier ein Verzeichniss, wie hoch das Wasser des Tages, als wir da waren, geworfen ward, einrücken. Wir massen die Höhe so, dass ein jeder aus der Gesellschaft bey jedem Wasserstoss aufschrieb, wie hoch ihm das Wasser nach dem Augenmaas geworfen zu seyn schien, und davon ward hernach das medium aufgenommen. Die erste Reihe zeiget die Wasserergiessungen nach ihrer Ordnung; die zwote die Zeit, wann solche geschahen; die dritte, wie hoch das Wasser sprang; und die vierte, wie lange jeder Wasserstoss währte.

Nr.ZeitHöhe des WassersDauer
1um VI Uhr 42 Min.30 Fuss0 Min. 20 Sec.
2— — — 51 —6 — —— 20 —
3— VII — 6 —6 — —— 10 —
4— — — 31 —12 — —— 15 —
5— — — 51 —60 — —— 6 —
6— VIII — 17 —24 — —— 30 —
7— — — 29 —18 — —— 40 —
8— — — 36 —12 — —— 40 —

Bisher war die Röhre noch nicht voll geworden; allein nun fieng das Wasser allmählig an aus der Röhre in das Becken zu steigen.

9— IX — 25 —48 — —1 10 —
10— X — 16 —24 — —1 — —

Um XII 35 Minuten lang hörte man gleichsam drey Schüsse unter der Erde, wovon solche bebete, das Wasser lief etwas über, fiel aber gleich wieder.

II 8 lief das Wasser wieder etwas über den Rand des Beckens.

III 15 hörten wir zu verschiedenenmalen einen unterirdischen Knall, doch nicht so stark als vorher.

IV 43 lief das Wasser eine Minute lang stark über.

— 49 hörte man viele sehr starke unterirdische Schüsse, nicht allein bey der Quelle, sondern auch auf dem dabey liegenden Felsengebirge, und sprang das Wasser.

Nr.ZeitHöhe des WassersDauer
11um VI Uhr 51 Min.92 Fuss4 Min. (*)

(*) Die ersten dieser Wasserergiessungen, wurden wie schon gesagt ist, nach dem Augenmaasse berechnet, die letzte und grösste aber nach einer mit einem Quadranten gemachten Beobachtung.

Nach diesem grössten Wasserstoss, fiel das Wasser sehr tief in die Röhre, und war einige Minuten ganz stille, fieng aber bald wieder an aufzuwallen, doch ward es nicht in die Luft, sondern nur bis an den Rand der Röhre geworfen.

Nr.Stund.Min.Nr.Stund.Min.
15718542
259 ½19543 ½
3510 ½20547
4513 ½21548 ½
5514 ¾22549
651723530 ½
7518 ¾24551 ½
8520 1/825554
9521 ½26537 ½
10523 ½27559
11527 ¾28610
12530 ½29619
13531 ¾30623
14533 ½31626
1553532629
1653633630
17538   

Die Kraft der Dünste, welche dies Wasser in die Höhe treibt, ist gewaltig, sie hindert auch nicht nur die Steine, welche man in die Oeffnung wirft, zu sinken, sondern wirft sie auch mit dem ausgesprützten Wasser zugleich hoch in die Höhe. Ich muss noch eines besondern Umstandes gedenken. Wenn das Becken voll Wasser war, und wir uns so vor die Sonne stellten, dass wir im Wasser unsern eigenen Schatten erblicken konnten; so bemerkten wir alle, und zwar jeder um den Schatten seines eigenen Kopfs, nicht aber der übrigen Umherstehenden, einen Ring fast von eben den Farben, wie ein Regenbogen, und um solchen herum gieng noch wieder ein ganz heller Ring. Dieses musste vermuthlich von dem aus dem Wasser aufsteigenden Dünsten kommen. Sonst erinnere ich mich aber auch, dass ich des Sommers auf Reisen, besonders auf Wiesen etwas ähnliches gesehen habe, und erblickt man es am ehesten, wenn man im Reiten oder Fahren den Schatten auf der Seite hat (*).

(*) Eben dies Phänomenon haben die zur Messung der Erde nach Amerika geschickte Naturkundiger beschrieben. Sie waren auf dem Berge Pambamarca, und zwar beym Aufgang der Sonne ganz in Nebel eingehüllt, doch der verzog sich und ward in so feine Dünste verwandelt, dass man sie kaum sehen konnte. Ein jeder sahe darauf in einer Entfernung von 3 Klaftern seinen Schatten, und um dessen Haupt drey bis vier helle Kronen mit den innern Farben des Regenbogens geziert, sie waren Anfangs länglich, wurden aber hernach runder. Die innerste sahe man ganz und gar. Um alles herum gieng ein heller Ring. Ein jeder sahe nur sein eigen Bild. S. Bergmanns Verldsbeskrifning. 2 Th. S. 65.

Nicht weit von diesem Geyer, waf am Fusse des nächstgränzenden Felsengebirges eine Quelle das Wasser jedesmal ein bis zwo Ellen in die Höhe.

Nr.Stund.Min.Nr.Stund.Min.
1345740
2347 ½843
3-50 ½9-5 ¾
4-53 ½10-8 ½
5-5511-11 ¼
6-57 ¾12-14

Die Oeffnung, wo das Wasser hier herauskam, war nicht so weit, und wir glaubten mit grossen eingeworfenen Steinen das Loch zustopfen zu können. Wir gedachten auch schon, dass unser Versuch geglückt war, indem wir die ganze Oeffnung mit Steinen angefüllt hatten, allein bald nachher sprang das Wasser aufs neue heftig hervor, und zeigte, wie wenig Menschenhände ausrichten können, wenn sie der Natur Gränzen setzen wollen. Wir eilten zu der Röhre hin, fanden alle Steine auf die Seite geworfen, und sahen das Wasser frey durch seinen alten Kanal spielen.

In diesen grossen Quellen war das Wasser im höchsten Grad siedend, schmeckte etwas nach Schwefel, war aber übrigens rein und klar. In den kleinern Quellen in der Nähe herum, war es dagegen etwas gefärbet, denn in einigen war es ganz dick wie in einer Lehmpfütze, in anderen weiss, wie Milch, und noch andere, wo sich das Wasser durch eine feine Ockererde durchdrängen musste, sprützeten Wasser aus, das roth, wie Blut aussahe.

Ich habe schon vorhin gesagt, dass man bey den mehresten dieser Quellen und Hvere, Bäder findet, die häufig gesucht und gebraucht werden. Man hat auch an vielen Orten trockene oder Schwitzbäder. Eggert Olafsen gedenkt eines solchen Bades bey Huusevik [Húsavík] in Nordisland, und ich sahe eins zu Thibsaarholt, nicht weit von Skallholt, welches aus einer von Erde aufgeworfenen Hütte bestand, in welcher allenthalben durch viele Löcher heisse Dünste hervorstiegen. Fahrenheits Thermometer, das in der freyen Luft auf 57 Grad stand, wiess in der Hütte, ob sie gleich offen war, 93, und wenn man es in eine der kleinen Oeffnungen setzte, woraus die Dünste hervorkamen, 125 Grad.


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